{"id":3704,"date":"2024-05-16T16:52:52","date_gmt":"2024-05-16T14:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiesbadener-kreis.de\/?p=3704"},"modified":"2024-05-17T10:04:25","modified_gmt":"2024-05-17T08:04:25","slug":"entwicklungen-im-datenschutzrecht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wiesbadener-kreis.de\/?p=3704","title":{"rendered":"Entwicklungen im Datenschutzrecht"},"content":{"rendered":"<p><strong>I Gerichtsentscheidungen<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Personenbezogene Daten:<\/strong> Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) hat klargestellt, dass nicht alle Daten automatisch personenbezogen sind. Im Fall GVA\/Scania wurde entschieden, dass eine Fahrzeugidentifikationsnummer nicht zwangsl\u00e4ufig personenbezogene Daten darstellt. Ob Daten personenbezogen sind, h\u00e4ngt also davon ab, ob das jeweilige Unternehmen die M\u00f6glichkeit hat, die Person, zu der die Daten geh\u00f6ren, vern\u00fcnftigerweise zu identifizieren. Die datenschutzrechtlichen Regelungen greifen demnach erst, wenn eine Identifizierung ohne unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Aufwand m\u00f6glich und wahrscheinlich ist.<\/li>\n<li><strong>Verantwortlichkeit nach Art. 4 Nr. 7 DSGVO:<\/strong>\n<ul>\n<li><strong>Verantwortlichkeit durch Mitwirkung:<\/strong> Der EuGH hat in einem Fall zur litauischen Corona-Warn-App die Rolle des nationalen Zentrums f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheit Litauen als Verantwortlichen best\u00e4tigt, obwohl die App ohne dessen Genehmigung ver\u00f6ffentlicht wurde. Das Zentrum wurde als verantwortlich eingestuft, weil es aktiv die Datenverarbeitungsparameter mitbestimmt hatte. Eine Verantwortlichkeit kann sich daher auch lediglich aus dem Gesetz ergeben.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Datenverarbeitung:<\/strong>\n<ul>\n<li><strong>Speicherdauer bei Restschuldbefreiungen:<\/strong> Der EuGH hat die Speicherpraxis der SCHUFA kritisiert, die Daten l\u00e4nger als gesetzlich vorgesehen speicherte, und betonte die Schwere des Eingriffs in die EU-Grundrechte der betroffenen Personen. Eine Speicherung f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Zeitraum als die gesetzlich vorgegebenen 6 Monate sei nicht rechtfertigbar.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Auskunftsrecht nach Art. 15 DSGVO:<\/strong> Der EuGH hat entschieden, dass Ausk\u00fcnfte nach dieser Vorschrift grunds\u00e4tzlich kostenfrei zu erteilen sind, auch wenn nationales Recht eventuell Kosten vorsieht. Das EU-Recht verdr\u00e4ngt hier nationales Recht.<\/li>\n<li><strong>Datenschutzverletzungen und Schadenersatz:<\/strong>\n<ol style=\"list-style-type: lower-alpha;\">\n<li><strong>Verletzung der Datensicherheitspflicht:<\/strong> Nicht jeder Datenversto\u00df stellt automatisch eine Verletzung der Datensicherheitspflichten dar. Der Verantwortliche muss jedoch den Nachweis ausreichender Sicherheitsma\u00dfnahmen erbringen.<\/li>\n<li><strong>Schadensersatz:<\/strong> Der EuGH hat best\u00e4tigt, dass Schadensersatzanspr\u00fcche das Vorliegen von tats\u00e4chlichen negativen Folgen f\u00fcr den Betroffenen erfordern. Der Schaden kann auch geringf\u00fcgig sein, muss allerdings auch bezifferbar sein.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Bu\u00dfgelder<br \/>\n<\/strong>Der EuGH hat pr\u00e4zisiert, dass f\u00fcr die Zuweisung eines Datenschutzversto\u00dfes zur juristischen Person das Handeln einer nat\u00fcrlichen Person ausreicht, die im Rahmen ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit agiert. F\u00fcr die Zurechnung eines DSGVO-Versto\u00dfes zu einer juristischen Person reicht es laut dem EuGH aus, wenn der Versto\u00df von einer \u201enat\u00fcrlichen Person\u201c begangen wurde, die im Rahmen der unternehmerischen T\u00e4tigkeit und im \u201eNamen\u201c des Verantwortlichen handelt.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>II Gesetzgebung<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Data Governance Act:<\/strong> Seit dem 24.09.2023 ist der EU Data Governance Act bindend und regelt unter anderem die Weiterverwendung von Daten durch \u00f6ffentliche Stellen.<\/li>\n<li><strong>Data Act:<\/strong> Der Data Act, in Kraft seit dem 11.01.2024, regelt den Umgang mit Daten von vernetzten Ger\u00e4ten und den dazugeh\u00f6rigen Diensten, mit einer \u00dcbergangsfrist bis zum 12.09.2025.<\/li>\n<li><strong>EU AI Act:<\/strong> Am 09.12.2023 wurde im Trilog eine Einigung zum EU AI Act erzielt, die vom EU-Parlament am 13.03.2024 so \u00fcbernommen wurde. Der neue AI Act sieht eine Regulierung der Anbieter und Betreiber von KI Systemen anhand von Risikoklassen vor, die sich am Einsatzzweck orientieren. Hinzu gekommen ist im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens eine Regulierung von \u201eGeneral Purpose AI\u201c. Der AI Act sieht unter anderem Transparenzpflichten und Meldepflichten sowie ein Verbot bestimmter Hochrisiko-KI-Anwendungen vor.<\/li>\n<li><strong>Verbraucherrechtedurchsetzungsgesetz (VDuG):<\/strong> Das am 13.10.2023 in Deutschland in Kraft getretene VDuG erm\u00f6glicht es Verbraucherschutzverb\u00e4nden, Verbraucherrechte gerichtlich durchzusetzen und Schadensersatzanspr\u00fcche f\u00fcr Verbraucher geltend zu machen. Dazu z\u00e4hlen nun auch Anspr\u00fcche die sich aus dem Datenschutzrecht ableiten lassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I Gerichtsentscheidungen Personenbezogene Daten: Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) hat klargestellt, dass nicht alle Daten automatisch personenbezogen sind. Im Fall GVA\/Scania wurde entschieden, dass eine Fahrzeugidentifikationsnummer nicht zwangsl\u00e4ufig personenbezogene Daten darstellt. 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